Am 2. Dezember 2015 erscheint in der Online-Abteilung „Die Welt – PS“ ein Artikel mit dem Titel „Der große Irrtum mit dem Tesla“, und markiert damit wohl einen Tiefpunkt der Berichterstattung, wobei die Bezeichnungen Bericht und Journalismus hier eigentlich fehl am Platze sind, eher eine Meinung eines Einzelnen, der wohl von der erdölfinanzierten Verbrennerindustrie indirekt stark finanziell unterstützt wird und/oder persönliche Abneigung gegen Elektromobilität im Allgemeinen und Tesla im Speziellen hat. Zu Ergründen warum letzteres so ist, obliegt Psychologen. Ich will hier eher auf den Inhalt eingehen.

Dass dem Autor des Ergusses der Führerschein entzogen wurde, was er selbst mit der Frage, ob er denn nun ein Raser sei, weil er in eine Radar“falle“ getappt ist, wo er 130 statt 80 fuhr, analysiert, sei nur am Rande erwähnt. (Am Tacho seines Verbrenners war die Nadel wohl schon gut über 140 würde ich mal behaupten …)

Damit ihr den Link oben nicht mit einem Klick unterstützen müsst, hier auszugsweise der geniale „Bericht“:

Ich bin es langsam leid. Sobald irgendwo ein Tesla Model S um die Ecke schielt, bekommen alle Schnappatmung. Sie preisen den Wagen, der je nach Ausführung bis zu 700 PS mobilisiert und irrsinnig gut beschleunigt, und natürlich vergessen sie auf keinen Fall, im selben Atemzug die deutsche Industrie madig zu machen: Alles Penner zwischen Wolfsburg und München, haben nix verstanden, warum bauen die nicht so ein Auto?

Neid gepaart mit gekränktem Nationalstolz? what else?

Mal davon abgesehen, dass das für die französische, italienische und schwedische, für die japanische, die koreanische und chinesische, ja sogar für den Rest der amerikanischen Autoindustrie genauso gilt: Der Vorwurf ist unberechtigt. Weil kein Mensch ein Elektroauto wie den Tesla Model S wirklich braucht – nicht mal die, die es schon gekauft haben.

Ja, zum Teil, aber Nissan, Renault, vor allem aber von Herrn Anker unbemerkt BYD in China, aber auch andere geben sich Mühe, auch Chevrolet, nur die Deutschen (ehemaligen) Konzernchefs meinen „Tesla? Das ist ja ein Witz!“.

Wieso braucht ein Mensch einen Audi A8, einen BMW 3er, einen Porsche Cayenne, einen Lexus, einen Mercedes E, S? Genau, um sich damit zu bewegen und zwar auf unterschiedlichen preislichen Niveaus mit unterschiedlicher Ausstattung und Eleganz so eines Autos.

Warum kein Mensch so ein Elektroauto wie den Tesla Model S braucht, beantwortet er eigentlich nicht.

Oh ja, ich weiß, dass VW den nächsten Phaeton ausschließlich als Elektromobil mit hoher (Norm)-Reichweite konstruieren will. Aber ist das ein Beweis für die Sinnhaftigkeit der Tesla-Entwicklung? Nein, es ist eher eine Chance, aus einer erfolglosen Oberklasselimousine, die sich nur in China einigermaßen verkauft, noch mal irgendetwas zu machen, dem die Welt Aufmerksamkeit schenkt. Und Audi mit seinem Elektro-Sportwagen? Und Bentley, das etwas Ähnliches zumindest nicht ausschließt?

Sie alle sollten versuchen, folgende Frage zu beantworten: Was bitte soll ich mit einem irre teuren Elektroauto, das im Alltag etwa 350 Kilometer weit kommt? (Klammer auf: Man kann lange diskutieren, wie man einen Tesla Model S im Alltag zu fahren hat, aber ich jedenfalls würde mir kein 700-PS-Auto kaufen, um immer schön langsam über die Autobahn zu rollen. Klammer zu.)

Eine wirklich lange Strecke kann ich damit nicht fahren, ohne irgendwo anzuhalten und wenigstens eine halbe Stunde am Schnellladeautomaten zu stehen. Da kann ich mich dann mit anderen Tesla-Fahrern darüber austauschen, was für tolle Autos wir gekauft haben. Ist sicher sehr lustig – solange wir nicht so viele sind, dass ich warten muss, bis die Stromzapfsäule frei ist.

Hier beginnt die Unwissenheit des Schreibers über Elektromotoren und PS und so.

Erstens haben die Tesla Model S je nach Variante so um die 300 bis 500 PS, aber egal, in meinem Zulassungsschein stehen 67 kW (ca. 90 PS) – Dauernennlast. Also sparsames Fahren möglich, aber für manchmal notwendige Beschleunigungen stehen großartige Spitzen zur Verfügung. Und nein, der Akku ist nicht „platt“, wenn man schneller fährt und auch nicht wenn man dreimal beschleunigt. Alles im Lot! 🙂

Ich habe mir kein 700 PS-Auto gekauft, sondern einen 85 D mit ca. 380 PS, die dann zu 425 PS wurden bis zur Auslieferung durch ein Update, aber im Grunde sind es 90 PS. Ich gebe zu, die „Performance“-Variante und der „Ludicrous“-Mode sind wenig sinnvoll, aber Menschen geben mehr Geld für größeren Unsinn aus. Aber klar, ein 70 (D) oder 85 (D) sind vernünftiger und ausreichend.

Wirklich lange Strecken fährt man selten! Ich im Normalfall täglich zwischen 20 und 200 km und damit vermutlich schon mehr als die Mehrzahl der Autofahrer. 130 km/h ist mit teilweisen Ausnahmen in Deutschland weltweit Höchstgeschwindigkeit. Mit 130 fährt man im Model S mindestens 350 km, das ist richtig. Man braucht nicht zu „schleichen“, aber die Tendenz zu 100 auf Autobahnen und 80 auf Landstraßen gibt es ja auch noch. Sollte man wirklich an einem Tag mal mehr fahren, dann hält man einmal (oder gar zweimal) an und geht aufs Klo, was trinken, Füße vertreten und fährt weiter. Dass man andere Teslafahrer kennenlernt, kann ein nettes Plus sein. Wenn wir so viele werden, werden wohl auch die Anzahl der Ladestationen mehr.

Nein, der Tesla (bislang gibt es die  Konkurrenzmodelle ja noch nicht) bietet mir nur einen einzigen Vorteil: den Komfort, weniger häufig nachladen zu müssen als andere Elektroauto-Besitzer. Dafür zahle ich allerdings auch mindestens 95.500 Euro und karre eine halbe Tonne und mehr an Batteriegewicht durch die Gegend.

Die Entwicklung geht weiter, wenn Tesla sie nicht vorangetrieben hätte, VW und Mercedes und Co hätten es wohl nicht! Die Kostenersparnis mit einem Tesla im Betrieb ist so hoch, dass die rund EUR 80.000,00 bis EUR 100.000,00 ihn mit Verbrennern um die EUR 45.000,00 vergleichen lassen. Also Normalpreis. Einfach mal im Detail durchrechnen oder sich dabei helfen lassen von Leuten, die sich auskennen. Recherchieren, sowas sollte einem Journalisten sogar Spaß machen und im Blut liegen.

Wie schwer die Batterie ist, ist eigentlich egal, das Gesamtgewicht des Autos ist gleich wie das vergleichbarer Verbrenner. Masse spielt beim E-Auto auch weniger Rolle, weil dann auch die Reku größer ist.

Mit Ihrem Verbrenner karren Sie eine halbe Tonne Motor, Getriebe, Auspuffanlage, Bodenplatte, Kühler, Leitungen und Rohre mit sich herum!

Ich lese immer wieder euphorische Tesla-Fahrberichte, in denen nicht einmal der Energieverbrauch dieses Autos vorkommt. Doch, doch, Elektroautos verbrauchen Energie, wirklich. Und der Tesla benötigt sogar eine ganze Menge davon, 700 Pferde wollen halt gefüttert sein. Beim Tesla Model S benötigen sie je nach Ausführung 15,8 bis 17,3 Kilowattstunden (kWh) auf 100 Kilometer.

Diese Zahlen ergeben sich, wenn man die Werksangabe der Reichweite mit der Akkukapazität in Beziehung setzt, und sie werden natürlich im Alltag selten erreicht. Im Fall des Model S kann man gern mit 25 kWh/100 km rechnen. Nur mal so: Ein Porsche Panamera Turbo S (570 PS, 2050 kg) ist zu Recht nicht als Öko-Auto bekannt. Warum wird dann eine 2108 Kilogramm schwere 700-PS-Limousine als Heilsbringer gefeiert?

Vielleicht, weil man Ökostrom tanken kann, erneuerbare Energie aus Sonne, Wind und so. Kann man. Aber dann denken wir bitte mal in größeren Dimensionen. Autofahren ist nichts Elitäres, sollte es auch nicht sein, und in Deutschland kommen mehr als 500 Pkw auf 1000 Einwohner. Die Umwelt interessiert es daher nicht die Bohne, ob hier 10.000 Tesla herumfahren (wovon wir weit entfernt sind). Aber vielleicht interessiert es die Energieversorger und die besorgten Bürger, wie es ist, wenn mal eine Million Elektroautos existieren, wie die Regierung es ja für 2020 beschlossen hat.

Ja, Masse zu bewegen kostet Energie. Physik und so. Selbst den 25 kWh widerspreche ich nicht wirklich, auch wenn man im Alltag 18 bis 20 erreicht, wenn man gemütliche Strecken fährt – Überland ohne Rasen. Manchmal sogar darunter, aber gut, der Durchschnitt pendelt sich bei mir bei 21 kWh ein, im Winter um die 23 kWh.

Warum also der Tesla als Heilsbringer im Vergleich zum Porsche Panamera Turbo S? Weil der Diesel im Durchschnitt 10 Liter und der Benziner 14 Liter verbraucht und der Tesla Null Liter. Benzin und Diesel werden vor Ort verbrannt und enthalten Unmengen an Schadstoffen, Stickoxide, Kohlenwasserstoffe, CO, CO2 …..

Jetzt kommt die Story mit dem Strom 🙂 Immer wieder kommt sie, wie das Amen im Gebet und immer wieder ist sie falsch.

Der Strommehrbedarf, wenn ALLE elektrisch fahren ist vermutlich nicht wirklich existent! Ein Liter Spritherstellung benötigt mindestens 1,5 kWh Strom, nach anderen Angaben 2 bis 5 kWh.

Das heisst: 50 Liter tanken – 75 bis 250 kWh Strom, die wegfallen! Strom, der, egal wie er hergestellt wurde – mit Kohle, Atom oder Wind! mal anfällt für die Förderung, Herstellung und Transport von Sprit! Mit der gleichen Mengen kann man selbst im schlechtesten Fall schon die gleiche Strecke fahren, im besten Fall (250 kWh wohl mit einem Model S 1.300 km, mit einem Twizy? vielleicht 3.000 km?).

Also, eine Million Elektroautos kein Problem, auch 200 Millionen nicht wirklich.

Der Rest des Pamphlets von Herrn Anker ist es nicht mehr wert, zitiert zu werden, weil es durch die Erklärung unnötig wurde. Er rechnet dann wieviel Strom man braucht und woher der kommen soll.

So, gähn …

Aber jetzt ist mir leichter 🙂

Ich gehe aber wohl davon aus, dass Herr Anker ein netter Mensch ist und ich ihn wohl auch gerne treffen würde 🙂

Wenn er sagen würde: ich mag Elektroautos nicht, ich brauch den Gestank, die giftigen Abgase, das Rauchen aus dem Auspuff, das Dröhnen des Motors, dann ok – ist ehrlich und hat was, aber immer diese Suche nach falschen Ausreden und Nachplappern von falschen Tatsachen nervt.

und jetzt setze ich bald an, wieder ein paar Hundert Kilometer mit dem „S“ zu fahren und freue mich darauf 🙂

Denn ein Tesla Model S ist kein Irrtum, sondern der ideale Mittelweg zwischen Leistung, Sportlichkeit, Fahrspaß, Raumangebot, Kosten und Umwelt. That is it.

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